Sozialbetriebe

Sozialbetriebe oder auch Sozialunternehmen heben sich durch verschiedene Merkmale klar von klassischen Wirtschaftsunternehmen ab. Während es zur unternehmerischen Pflicht eines Wirtschaftsunternehmens gehört, Gewinne zu maximieren und Kosten zu senken und sich möglichst durch ein alleiniges Herausstellungsmerkmal einzigartig im Markt zu positionieren und damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten zu bekommen, scheinen Sozialbetriebe die vorrangigen betriebswirtschaftlichen Grundprinzipien zu vernachlässigen.

Das soziale Unternehmertum (Social Entrepreneurship) zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es statt einer beherrschenden Marktposition durch ein Alleinstellungsmerkmal eher die Verbreitung einer Idee, welche den gesellschaftlichen Nutzen maximiert, verfolgt. Dabei wird Konkurrenz nicht bekämpft, sondern sie ist sogar erwünscht, da sich hierdurch der soziale Gedanke schneller für die Gesellschaft umsetzen lässt. Betriebswirtschaftlich handeln müssen Sozialbetriebe selbstverständlich auch, die Gewinnmaximierung steht dabei jedoch nicht im unternehmerischen Fokus. Eher soll durch gutes Management erreicht werden, dass kostendeckend und effizient gearbeitet wird und die Umsätze alle Ausgaben decken. Es werden also eher minimale betriebswirtschaftliche Ziele verfolgt.

Selbstverständlich spricht in einem Sozialbetrieb nichts gegen Gewinne, zumal diese Unternehmen zunehmend in privater Hand liegen und nicht nur in Händen subventionierter Wohlfahrtsverbände. Die Gewinnerzielung ist aber nicht – entgegen von klassischen Wirtschaftsunternehmen – das alleinige Endziel.

Soziales Unternehmertun, das sich in einem echten Sozialbetrieb ausdrückt, will nachhaltig etwas in der Gesellschaft optimieren. Es springt dort ein, wo klassische Wirtschaftsbetriebe durch ihre Gewinnmaximierungspflicht gehindert sind, sozialen Nutzen vor Umsätze zu stellen. Möglicherweise haben Sozialbetriebe dem Wirtschaftsliberalismus sogar ihre Entstehung zu verdanken. Schließlich entstehen Ideen erst im Kontrast zu anderen, bereits bestehenden Phänomenen. Sozialbetriebe wollen etwas verändern, was die freie Wirtschaft nicht leisten kann.

Soziale Arbeit im privaten Non-Profit-Bereich am Beispiel der Viko GmbH:

dreamstime_xs_15717149Neben den „klassischen“ Sozialarbeiten wie Pflege oder Erziehung leisten moderne Sozialbetriebe beispielsweise auch einen Beitrag zur Integration sozial benachteiligter Menschen in den Arbeitsmarkt. Die Viko GmbH soll stellvertretend als Beispiel für eine Non-Profit-Organisation stehen. Das Unternehmen ist ein Sozialbetrieb, der „arbeitslosen Menschen eine Brücke auf den allgemeinen Arbeitsmarkt schlagen“ will. Hierbei werden Langzeitarbeitslose, die oftmals als schwer vermittelbar gelten, in praxisnahe Beschäftigungsfelder integriert, damit sie wieder Anschluss an ein strukturiertes Erwerbsleben bekommen. Die Viko GmbH kann nur mit Subventionen bestehen und dem Entkoppeln ihres unternehmerischen Anspruchs von der allgemeinen wirtschaftlichen Gewinnmaximierungspflicht. Damit lässt sich allenfalls kostendeckend arbeiten und Gewinne – so sie denn überhaupt anfallen sollten – in einem sehr geringen Maße erwirtschaften. Die bürgerliche Gesellschaft hat jedoch einen nachhaltigen Nutzen davon, wenn längst aufgegebene Menschen wieder einen Sinn in ihrem Dasein geschenkt bekommen, indem sie Arbeit verrichten dürfen, für die sich kein Wirtschaftsunternehmen bereit erklären würde, sie zur Verfügung zu stellen.

Soziale Arbeit im Non-Profit-Bereich am Beispiel der organisierten Wohlfahrtsverbände:

Zur Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. gehören das Deutsche Rote Kreuz e. V., die Arbeiter Wohlfahrt, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, der Deutsche Caritasverband, sowie die Diakonie Deutschland und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Diese gemeinnützigen Träger, die sich zum Teil in kirchlicher Hand befinden, leisten einen Großteil der Sozialarbeit in Deutschland. Hierzu zählen hauptsächlich pflegerische Dienste, zum Beispiel die Alten- und Pflegeheime oder die mobile Pflege. Man geht davon aus, dass mehr als die Hälfte aller sozialen Einrichtungen zur Freien Wohlfahrtspflege gehört.

Damit sind die organisierten Wohlfahrtsverbände der größte Arbeitgeber im sozialen Bereich. Die Finanzierung erfolgte bislang zum größten Teil aus den Beiträgen zur Sozialversicherung, wird aber vonseiten des Staates aus mehr und mehr beschnitten. Das führt dazu, dass die Wohlfahrtsverbände sich weitere Geschäftsfelder erschließen mussten, die nicht ausschließlich der Gemeinnützigkeit dienen, sondern dem privaten Wirtschaftsbereich zuzuordnen sind. Das können neben der sozialen Arbeit aus dem sogenannten Dritten Sektor auch klassische Geschäftsbetriebe wie Cafés und die Landschaftspflege sein.

Soziale Arbeit am Beispiel der Kommunalverwaltungen:

Auf kommunaler Ebene zeigt sich die Sozialarbeit als Bestandteil der Exekutive. Bekannte Beispiele, wie Soziale Arbeit in den Kommunen auf Gemeinde-, Stadt- oder Kreisebene leisten, sind die Jugendgerichtshilfe, der Sozialpsychiatrische Dienst aber auch die vielen Sozialarbeiter, welche im öffentlichen Auftrag zur Betreuung von Familien mit Problemen eingesetzt werden. Ein Beispiel aus der Praxis: eine türkischstämmige, mittlerweile deutsche Sozialwissenschaftlerin arbeitet als Sozialarbeiterin für die Stadt. Da sie gleichermaßen Fachqualifikationen im Bereich der Interkulturellen Kompetenz aufweist, wird sie für die Sozialbetreuung von problembehafteten Migrantenfamilien eingesetzt. So kann sie zum einen ihre Bilingualität und zum anderen ihre Fachkompetenz bestmöglich einbringen. Die betroffenen Migrantenfamilien profitieren von ihre Arbeit, indem sie soziale Betreuung und Hilfe bei der Problembewältigung erhalten, ohne dass eine Sprachbarriere dazwischen steht.

Öffentliche vs. private Sozialbetriebe:

Die öffentliche Hand ist daran interessiert, dass auftretende Probleme beim Bürger möglichst gering gehalten werden und dass das Zusammenleben reibungslos funktioniert. Natürlich gehört zum gesellschaftlichen Leben eine intakte Infrastruktur, sowie ein gut funktionierendes Sozialwesen. Insofern ist die Öffentliche Hand hier in der Pflicht.

Da im Zuge der kommunalen Einsparungen jedoch immer mehr Stellen im Allgemeinen und im Sozialsektor im Besonderen wegfallen, verlagert sich die Exekutivtätigkeit zunehmend auf private Anbieter. Da auch private Anbieter nicht ausschließlich als gewinnorientierte Unternehmen arbeiten und sich vielfach aus öffentlichen Geldern aus den Sozialkassen speisen, ist eine Zunahme des Anteils privater Anbieter für die Kommunen eher eine begrüßenswerte Entlastung. Allerdings müssen im Rahmen von Gesetzen und Verordnungen klare Grundlagen geschaffen werden, die als Kontrollinstrumente genau regeln, was geleistet werden soll und was nicht vorkommen darf. Damit erfüllt der Staat auch seine Sorgfaltspflicht gegenüber dem Bürger, ohne zwingendermaßen selbst als Dienstleister auftreten zu müssen.

Es wäre aber verfehlt, Sozialbetriebe ausschließlich als eine Art „genossenschaftlich“ arbeitende Unternehmen zu betrachten. Vor allem im Pflegebereich ist der betriebswirtschaftliche Druck sehr hoch geworden. Diese Unternehmen müssen kosteneffizient arbeiten, das heißt Kosten minimieren und die Umsätze erhöhen. Ansonsten haben auch private Sozialbetriebe auf die Dauer schlechtere Marktchancen.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen