Veränderung der Nachfrage

Inhaltlich passt sich eine Nachfrage stets den veränderten Rahmenbedingungen an. In Zeiten, in denen eine Großfamilie noch selbst für Altenpflege und Kinderbetreuung sorgte, gab es keine Nachfrage nach entsprechenden Angeboten auf dem freien Markt. Heute ist die Nachfrage gerade in diesem Bereich besonders stark. Soziale Arbeit richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen der Menschen. Diese wiederum hängen stark ab von Sozialparadigmen und variieren mit jedem Paradigmenwechsel. Würde die Großfamilie wieder in Mode kommen gemeinsam mit klassisch-traditionellen Familienformen, die Nachfrage nach Pflege- und Kinderbetreuungsangeboten würde systematisch sinken. Der inhaltliche Faktor ist demnach eine Variable, die nicht genauer bestimmt werden kann. Sie ist immer abhängig von den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit.

Der Quantitätsfaktor scheint gewichtiger geworden zu sein. Quantitativ betrachtet steigt die Nachfrage nach sozialer Arbeit in allen Bereichen immer mehr. Je weniger Familie und Staat leisten, desto mehr muss auf Sozialbetriebe delegiert werden. Die Bedürfnisse haben sich schließlich nicht verändert, die Leistungsträger hingegen schon. Zu Befriedigung aller menschlichen Bedürfnisse müssen Angebote geschaffen werden, die diesen Anspruch erfüllen können. Da es nicht Universalunternehmungen geben kann, die alles leisten können, ist Spezialisierung notwendig. Das bedeutet, es gibt Sozialbetriebe, die sich auf die Altenpflege spezialisiert haben, solche, welche Bildungsangebote in der Erwachsenenbildung machen, therapeutische Angebote usw. Für jeden einzelnen Bedürfnis-Zweig gibt es spezialisierte Angebote. Je größer die Nachfrage wird, desto wahrscheinlicher wird es, dass es ein entsprechendes neues Angebot geben wird, sofern der Markt hier noch nicht abgedeckt ist. Da Sozialbetriebe – anders als freie Wirtschaftsunternehmen – aber weniger als Konkurrenten, sondern eher als Mitbewerber auftreten, die das Angebot vervielfachen und die Idee weiter verbreiten, bekommt der Quantitätsfaktor auch in dieser Hinsicht eine weitere Bedeutung.

dreamstime_xs_30925946Hinsichtlich der Qualität sind die Ansprüche gestiegen. Quantität ist nicht alles. Es kommt nicht ausschließlich darauf an, dass es überhaupt möglichst viele Angebote gibt, sondern aufgrund gestiegener Mitbewerberzahlen im sozialen Bereich ist Kompetenz gefragt. Man will im Bereich der Altenpflege seine Eltern nicht einfach nur irgendwie versorgt wissen, sondern sie optimal betreut sehen. Kann das eine Unternehmen diesem Anspruch nicht gerecht werden, wechselt man zum Mitbewerber. Dasselbe gilt für den Bereich der Bildung. Qualifikation ist essenziell wichtig für Berufstätige. Da reicht es nicht, überhaupt nachzuweisen, dass man sich mit einem bestimmten Fachthema auseinandergesetzt hat, sondern dass man bestens qualifiziert wurde. Schnell fallen Qualitätsunterschiede im Bildungsbereich ins Gewicht. Diese Qualitätsunterschiede wiederum sorgen auch im sozialen Bereich für ganz herkömmliche Marktbereinigungen. Die Spreu wird sich vom Weizen trennen. Bestehen wird als Sozialbetrieb, wer eine hohe Qualität bietet. Andere Mitbewerber werden vom Markt wegradiert. Hier greifen die marktwirtschaftlichen Gesetze. Marktpräsenz alleine reicht nicht, der Markt will überzeugt werden – mit Qualität.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen